Zurück

Vortrag,

am 01.12.2005, 19.30, evangelisches Gemeindehaus Seefelden,

Vorstellung des Ortssippen- bzw. Ortsfamilienbuches Seefelden-Betberg-St.Ilgen

oder auch

Familien- und Dorfgeschichte der Orte Seefelden, Betberg, und St.Ilgen

aus den Kirchenbüchern der Pfarrei Betberg vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis 1905.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Zuhörer,

hiermit begrüße auch ich Sie alle recht herzlich zu diesem Vortragsabend, in dem ich Ihnen hoffentlich Interessantes und Bemerkenswertes aus den ersten und alten Kirchenbüchern der Pfarrei Betberg berichten darf.

Durch den Geschichtsverein Markgräflerland wird schon seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft der Regio Basel, die Herausgabe eines Markgräfler Familiennamenbuches vorbereitet. Dieses soll u.a. dem interessierten Geschichts- und Heimatfreund einen Überblick über alle in den Kirchenbüchern und auch anderen Quellen erfassten Familien und Personen geben. So habe ich mich auf eine dieser Veröffentlichungen im Jahre 1993 dort gemeldet.

Es wurden dabei Personen gesucht, die entsprechendes Interesse, guten Willen, und die Fähigkeit des Lesens alter Schriften hatten, um die alten Kirchenbücher in den damals 78 Pfarrgemeinden des Markgräflerlandes auszuwerten. Es geht also hier um den Bereich südlich der Linie Neuenburg-Zienken-Seefelden-Sulzburg, die genannten Orte eingeschlossen. In der Zwischenzeit wurde diese zuerst vorgesehene Grenze noch etwas nördlich in die sogen. untere Markgrafschaft (Bereich Schallstadt) erweitert.

Für all diese Mitarbeiter und mich bedeutete dies alle chronologisch geführten Kirchenbucheinträge, der Tauf- Ehe- und Sterbebücher der Jahre 1663 bis 1900 bzw. 1905 zu sichten, auszuwerten und in Karteiform anzulegen.

Nur bis 1905, weil bei Veröffentlichung dieser Daten ein Zeitraum von ca. 100 Jahren wegen des Datenschutzes eingehalten werden sollte.

Ich habe mich damals auch aus eigenem Interesse gemeldet, da ich schon länger vorhatte für meine Familie die Abstammungen zu klären und meine Ahnen, soweit wie möglich, ausfindig zu machen. Brachte mir doch dies auch die Möglichkeiten an die Kirchenbücher zu kommen, mich damit auseinanderzusetzen zu können und auch Personen zu treffen, die in dieser Materie sich bereits auskennen.

Weiter ist vorgesehen die Daten dann mit entsprechenden EDV – Programmen durch Fachleute des Geschichtsvereins auch wissenschaftlich auszuwerten. Als solche sind vorgesehen z.B.: Bevölkerungswanderung, z.B.: im Vergleich zur Schweiz und dem Elsass, Gesellschaftsschichtung, Anteile einzelner Berufe, Todesursachen, Totgeborene, Krankheiten, Kinderzahl, Familiennamenhäufigkeit und anderes.

Auch sind die vorhandenen Daten nach der Auswertung wesentlich sicherer wie bisher. In der Zwischenzeit wurden zwar die Kirchenbücher durch die Kirchenverwaltung mikroverfilmt, jedoch sind diese Verfilmungen qualitativ nicht so hochwertig, sodass ein Lesen, der vielmals im Original auch noch teilweise vergilbten Handschriften, schon sehr schwierig ist.

 

Zum besseren allgemeinen Verständnis zunächst ein kleiner geschichtlicher Abriss:

- Im 10./11. Jahrhundert bereits erfolgten persönliche Namensgebungen beim Hochadel.

- Im 14. Jahrhundert auch bei den gemeinen Leuten allgemeingebräuchlich (viele davon waren Leibeigene).

- 1444 beginnt die Geburtsstunde des Markgräflerlandes, als Graf Johann von Freiburg, der letzte seines Geschlechtes, das Gebiet der Herrschaft Badenweiler seinen Neffen Rudolf dem IV und Hugo von Hachberg-Sausenberg schenkte. Dies waren die Söhne des Markgrafen Wilhelm von Baden, alle aus dem Geschlechte der Zähringer. Dieses Gebiet ging dann 1503 durch Aussterben der Hachberger an die Seitenlinie derer von Baden-Durlach und es damit dann eine obere und untere Markgrafschaft gab.

- 1555 brachte der Augsburger Religionsfrieden die Gleichberechtigung mit dem Katholischen Glauben.

- 1556 beschloss dann Markgraf Karl der II, er war in Sulzburg geboren, dass alle seine Untertanen in seinen Gebieten evangelisch zu werden hatten. Er erließ dazu die Kirchenordnung vom 1.6.1556. Darin regelte er das innere und äußere Leben der Kirchen. Ordnungen für Gottesdienste, Gebete, Trauungen und Beerdigungen waren darin enthalten. Festgelegt wurde auch dass in jeder Gemeinde Schulen einzurichten sind.

Bereits im gleichen Jahre wurden in 13 Pfarreien der Herrschaft Badenweiler, darunter auch in Betberg, entsprechende Visitationen vorgenommen um diesem Beschluss Nachdruck zu verleihen. Von diesen Visitationen wurden Protokolle erstellt, die heute im Generallandesachiv in Karlsruhe noch vorhanden sind. So wurde u.a. in Betberg gefragt "wie eß mit den großen Lastern als Trinken, Gotteslästern u.a." beschaffen sei. Die Pfarrer und die Gemeinden waren darüber nicht allzu sehr erfreut. Der Einfluss des Markgrafen auf die Pfarrer war doch zunächst eingeschränkt, da er das Pfarrbesetzungsrecht noch nicht hatte. Dieses hatte für Betberg lange Zeit noch das Kloster (bzw. die Abtei) St.Peter, weil es entsprechend umfangreichen Besitz mit Zehnteinnahmen in Betberg und Seefelden hatte.

Die Pfarrei Betberg zählte damals etwa 50 Herdstätten. Hier gab es auch noch keine Schule, jedoch schon bald, bereits 1666 war Christoph IRMEL auch der 1. Lehrer.

Die Pfarrei wurde zunächst von einem Mönch aus St.Peter versehen. Man kann sich vorstellen, wie dieser reformiert gepredigt haben wird. Der 1. evgl. Pfarrer war dann Jacob MEYER, * um 1525 in Basel. Die Taufen sollten grundsätzlich im Sonntagsgottesdienst erfolgen. Die Kirchenbücher sagen zwar hier was ganz anderes aus; dort wird manchmal am gleichen Tag oder aber in der Regel am Tag nach der Geburt getauft.

In dem genannten Protokoll wurde auch festgestellt, dass es noch keine Gesangbücher gab, diese aber auch nicht notwendig waren, da nur ein kleiner Teil der Bevölkerung lesen und schreiben konnte!

 

Allgemeines nun zu den Kirchenbüchern:

Nun möchte ich Ihnen berichten, was so konkret gelesen oder manchmal gar zwischen den Zeilen entnommen werden kann aus den Einträgen in den KB. Hier gibt es bei den einzelnen Pfarrern, anscheinend auch je nach Alter große Unterschiede in ihren Äußerungen und auch im Schriftbild.

Die Bevölkerung hatte ja kaum ärztliche Versorgung. Lange Zeit erfährt man eigentlich im Kirchenbuch darüber nichts. Durch Angabe der Berufsbezeichnungen besonders bei den Paten und in den Sterbeeinträgen kommt ab und zu ein Cirurgus, ein Bader, fast immer aber eine Hebamme zum Vorschein. Man kann Annehmen, dass diese Personen und die Pfarrer, auch Krankheiten und Unfälle behandelten und sich um Kinder, Mütter und Alte kümmerten. Eigentlich kann man sich aus heutiger Sicht ein solches Leben kaum vorstellen, besonders wenn man auch bedenkt, dass man damals ja auch immer mit Tieren, Tiergespannen, Kühen, Ochsen und Pferde umgehen musste. Der größte Teil der täglichen Verrichtungen war schwere körperliche Arbeit. Dabei passierten sicher auch immer wieder Unfälle, wie Quetschungen, Prellungen und Knochenbrüche. Auch die Hygiene sowie das Trinkwasser , besonders im Sommer, ließ sicher einiges zu wünschen übrig und es allein schon dadurch auch immer wieder Infektionskrankheiten gab.

Das Schlimmste aber was unsere Vorfahren zu ertragen hatten waren die vielen, ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Besatzungen, Einquartierungen, Lebensmittel- u. Tierfutterabgaben, Geldleistungen, junge Männer die Kriegsdienst leisten mussten und alles andere, was damit zusammenhing. Evtl. auch keinen Samen zu haben für die nächste Feldbestellung, keine Kuh für Milch und kein Kalb für eine entsprechende Nachzucht?

Dazu kam auch noch, dass sie nur mit dem transportfähigen Hab und Gut flüchten konnten und viele Dinge, Tiere u.a. nicht mitnehmen konnten. Viele male flüchteten die Leute einfach in die nahe liegenden Wälder oder in andere Gemeinden, besonders in die befestigten Städte wie Sulzburg, Neuenburg, ja sogar auch Basel, wurden bevorzugt. Es gibt leider viele male solche Fluchten und auch immer wieder solche Hinweise in den KB.

Wie dies z.B. im Dreißigjährigen Krieg war erfahren wir sehr treffend in der Chronik v. Britzingen. Da steht geschrieben z.B:

- 1632 kamen die Schweden!

- 1633 die Kaiserlichen, danach seien ganze Dörfer ausgestorben gewesen!

Auch in Betberg waren nach dem 30-jährigen Krieg fast nur noch Ruinen und jedenfalls keinerlei Geschriebenes mehr vorhanden. Aus der Festschrift zum 1200-jährigen Bestehen von Betberg ist zu lesen, "dass damals die Kirchen in Betberg, Seefelden und St.Ilgen verwüstet waren. Es gab weder Glocken noch heilige Geräte".

Pfarrer Martin Dreuttel, der ab 1663 bis 1670 Pfarrer in Betberg war, begann also, unter vermutlich katastrophalen Umständen, seinen Pfarrdienst in Betberg. Er richtet ganz neue Kirchenbücher ein und beginnt nun das Erste Kirchenbuch der Pfarrei Betberg und macht damit einen ersten wichtigen Schritt zur beständigen Dokumentation der persönlichen Daten, bezüglich der Geburten, Taufen, Heiraten und Tod unserer Vorfahren in den Orten Betberg, Seefelden und St.Ilgen.

Auf das Titelblatt des damit I. Kirchenbuches schrieb er folgendes: "Gottes Kirchen- Lust- und Ehrengarten bei der christlichen Gemeinde Betberg, die sich zusammensetzt aus den Flecken Außer- und Inner- Seefelden, St.Ilgen und Betberg und zwar Aus Mangel aller vorigen Kirchenverzeichnissen angesetzt Buch, M. Martinum Dreutelln Pastorem Marekivo Betbergensis. Im Jahr Christi MDCLXIII", (1663).

Die Pfarrer hatten danach bis zum Jahre 1870 die Standesbücher zu führen. In ihnen wurden alle Ehen, Taufen und Sterbefälle eingetragen. In einigen Pfarreien wurde früher, in anderen später damit begonnen. So z.B. in Buggingen mit den Taufen bereits ab 1644, in Betberg also erst im Jahre 1663. Pfr. Dreuttel war vorher in Britzingen und hat dort vieles, gerade auch aus dem 30-jährigen Krieg, aufgeschrieben, etliches davon auch heute noch dort vorhanden.

Er beginnt zuerst mit einer gründlichen und wertvollen Bestandsaufnahme. Dafür müssen wir ihm heute noch dankbar sein. Diese Bestandsaufnahme ist so gründlich aufgestellt, so dass sie teilweise bis in das Ende des 16.-Jahrhundert zurück reicht.

Sodann nennt er zuerst

- seine Familie,

- dann die des Lehrers,

- des Vogtes, des Stabhalters,

- der Mitglieder des Gerichts (vergleichbar mit den heutigen Gemeinderäten)

- dann die Bürger und zuletzt

- die Verwitweten, die Ledigen und die Hintersassen.

Wir können hier also genau feststellen, welche Familien um 1663 in der Pfarrei Betberg wohnten. Dabei hat er die Familien verzeichnet mit den Angaben von Vor- und Familiennamen, Geburtsdaten, meistens Geburtsjahr, der jeweiligen Ehegatten, deren Eltern und Kindern, Heirats- und teilweise Sterbedaten.

Besprechen der Kirchenbücher und Einträge !

Nun möchte ich Ihnen berichten, was konkret neben den persönlichen Angaben in den Büchern, evtl. auch zwischen den Zeilen zu lesen ist. Beginnen möchte ich mit den Einträgen im Heiratsbuch. Pfarrer Dreuttel überschreibt das tabellarisch angelegte erste Blatt wie folgt:

Eheliche Liebes - Blum

der öffentlich copulierten Eheleuten zu Bettberg

Der erste Eintrag betrifft den 31. Jan. 1663, oo Hans Krieger, Schneider, Betberg und Anna Sigrist(in), Seefelden, Eltern: Ulrich Krieger u. Marggreth Studer(in) von Mattheswyhl, ehel. Sohn, Barthel Sigrist v. Hallweil, ehel. Tochter.

(besprechen: Herkunft, CH, Schreibweise der Frauennamen, Namen heute nicht mehr hier. )

Nächster Eintrag: 16. May 1663, oo Friederich Arnold u. Barbara Lendin, Elt: Matthis Arnold, der Vogt zu Seefelden u. Salome Karrer(in), seel. v. Seefelden; Paul Lendin, seel. gewes. Vogt zu Seefelden u. Ursula Sauger(in)

(besprechen: Namen heute noch in Seefelden, Lendin = Längin, -Doppelhochzeit-)

Dritter Eintrag: 16. May, Martin Meyer, Schmiedknecht u. Salome Arnold(in) beide ledig u. v. Seefelden; Elt: Hans Jacob Meyer, v. Niederdorf, Brg Seefelden u. Verena Häfelfinger(in) ehl. Sohn, Mathis Arnold, Vogt zu Seefelden u. Salome Karrer(in) seel.

(besprechen: Stammvater aller Meyer in Seef., Herkunft, bereits Bgr, erhält die Tochter v. Vogt !)

So lauten die Einträge i.d.Regel immer fort. Wir wissen aber auch, dass die Pfarrer peinlichst auf die Moral ihrer Schäfchen geachtet haben. So gibt es immer wieder gewisse Zusätze zu lesen, besonders dann wenn die Kinder zu früh nach der Heirat kamen oder wenn es sich um eine uneheliche Geburt handelte.

So ist zum z.B: zu lesen im Heiratsbuch:

- 1671: "haben zu früh beigeschlafen",

- 1686: "dieser war ein Knecht bei dem Meyer allhier und hatte dessen Tochter geschwängert, sind deswegen ohne Gepränge, nach ausgestandener Turmstraf, am Donnerstag copoliert worden"

- 1707: "haben zu Seefelden bei Hans Frey gedient u. ist die Braut schwanger worden, ist dann 3 Wochen nach der Copulation in die Kindbett kommen."

- 1718: "diese Copulisten haben vor der Copulation hurischen Beischlaf gehalten, sind deswegen am Donnerstag in der Betstund ohne Gepräng kopuliert worden."

- 1730: "Diese beiden sind in unehren zusammen kommen, nachdem beide 24 Stund in das Häuslein gesperrt worden, die Braut ist schon ziemlich dick vor den Altar getreten u. sind sie copuliert worden.

- 1730: Steht geschrieben: "Christen sollen nicht durch die Kammer in die Kirche, sondern durch die Kirche in die Kammer gehen".

- 1699: Heiratet ein Tragoner H.J. Stieß aus Pforzheim die E. Bürgelin v. Seefelden.

Dann überschreibt Pfarrer Dreuttel das ebenfalls tabellarisch angelegte erste Blatt des Geburten und Taufbuches wie folgt:

Holdseelige Liebes - Blum

deren Kinderlein vom 1. May 1663 allhier zu Bettberg sind getauft worden:

Die erste Eintragung sind gleich Zwillinge Adam und Eva, * am 10. May 1663 in St.Ilgen,

Elt: Balthasar Tagner u. Anna Spürkin.

Der zweite Eintrag: Anna, * 21.Jul. 1663, St.Ilgen, getauft 23. Jul. Elt: Gilgmann Kressenbuch u. Ursula Barth(lin).

Weiterer Eintrag: Anna von inner Seefelden * 26. Xbr. 1663, getauft 27. Xbr. Elt: Melchior Mattle,Weber u.Brg Seefelden u. Veronica Meyer(in).

(Besprechen > auch Gavattern = Paten, Monatsschreibweise)

Weitere bemerkenswerte Eintragungen:

- 1664: Uneheliches Kind, "die unzüchtigen Eltern sind:..." Beim Name des Kindes ist vermerkt: "Ein Bankert". Eltern sind umgekehrt (auf dem Kopf stehend) eingetragen.

- 1696: "Die Eltern haben dieses Kind in früherem Beischlaf erzeugt, wie sie dann erst 3 Wochen vor der Geburt copuliert worden."

- 1702, von Aug. bis Nov.: werden 5 Kinder "Zu Sulzburg in der Flucht getauft" (Fünfgeld, St.Ilgen; Thum, Seefelden; Hunzinger, Seefelden; Braun, Betberg, St.Petrinischer Meyer).

- 1703: Hans Martin Soder "in der Durchflucht zu Kirchen (Efringen-Kirchen) geb. u. getauft.

- 1713: Barbara Lengin"zu Brattelen in der Flucht getauft".

- 1713: Friedrich Längin "In der Flucht zu Basel getauft".

- 1713: Elisabetha Wick, wie vor.

- 1706: Balthasar Schneider "Vater 7 Wochen vor der Geburt des Kindes gestorben".

- 1705: "Ein Bastard, in Blutschand gezeugt". (hier wurde es gar kriminell)

- 1716: Anna Maria: "Ein Hurenkind, Haben beide, Vater und Mutter, unverheiratet, im Pfarrhaus zu Betberg nebeneiander gedient all da ihr Unzucht begangen. Er der Vater aber sich davon gemacht".

(besprechen: Kriegszeit, uneheliche Kinder lebten i.d.R. nicht lange, Feststellen kann mach auch, daß die Pfarrer in jungen Jahren gut geschrieben, gute Handschriften hatten, wurden sie älter haben die Handschriften gelitten, manchmal ist auch die Tinte sehr verblasst.)

Dann überschrieb Pfarrer Dreuttel das ebenfalls tabellarisch angelegte erste Blatt des Sterbebuches wie folgt:

Tröstliche Todes - Blum

der seit dem 1. May 1663 bei dieser Bettberg Gmeind verstorbenen, verehelichten Personen:

verst.Person     Ehegemahl     hinterl.Kinder     Todestag

Erster Eintrag:

Georg Rheinacher der Küfer Barbara Hüglerin Ursula + posthum 1. Aug.63 zu Seef. * 11.9.63, +23.9.63

Zweiter E: Salome Fünfgeld Hans Krieger der 21.Aug. v.äuß.Seef. Schneider Alt:46

Weiterer E: Martin Meyer,Schmied Salome Arnoldin 1665 zu Seef. A:31 1/2 20.8.

Chrischona Hüglerin Claus Bucher seel. Witw 1667 v.St.Ilg. d.Hebamme,A:76 4.April

Conrad Jäger, Cirurg Maria Dienger 1671 Äuß.Seef. 24.7.

 

weiter etwas geschichtliches:

- 1672 - 1714, Während der 3 Franzosenkriege, (des Holländischen Krieges, Pfälzischen Krieges,

- 1677 wird Seefelden geplündert.

- 1678 das Schloß Badenweiler abgebrannt. - in Buggingen und Britzingen wird gemordet.

- 1689 Ablieferung von Heu, Stroh, Hafer, Geld...

- Auf Seite 61 der Chronik beschreibt der Chronist unserer Gemeindechronik ! z.B. wie es "im Pfälzischen Krieg zu ging, usw...

In diesem Zusammenhang möchte ich auch das Ereignis erwähnen, das Pfarrer Lutz im KB beschreibt und sich im Jahre 1679 während des Holländischen Krieges zugetragen hatte:

- Einwohner der Gemeinde waren in Basel auf der Flucht gewesen und Seefelder haben dort, wahrscheinlich unter entsprechend schwierigen Umständen gelebt. Dabei wurden die Kirchenglocken von Betberg gegen Kosten in Wirtshäusern aus ich zitiere: "gräuslichem, mutwilligem, unchristlichen Eigennutz verkauft. Der gerechte Gott wird solchen Kirchenraub und begangenen Diebstahl an Eltern, Kinder und Kindeskindern noch strafen. Es hat der Pfarrer nichts davon wissen sollen; die Herren Vogt und Stabhalter, auch etliche nahverwandte Suppenfresser die waren Wisser ..."

- 1699 konnte Pfarrer Lutz wieder in das KB schreiben: "An Pfingsten sind wieder die Gloggen nach Betberg gekommen. Die mit 13 Zentner wurde von den Einwohnern der beiden Seefelden, die mit 4 Zentner von denen von Betberg und St.Ilgen bezahlt.

 

- 1733 - 1746 Dann während des Polnisch-Österreichische Erbfolgekrieges.

- 1744 Belagerung von Freiburg durch die Franzosen. In Seefelden war das französische Magazin stationiert.

- 1745 Festung Freiburg wird geschleift.

Kurz noch zur Pfarrei Betberg:

- Betberg war die Hauptkirche.

- St.Ilgen hatte eine Kaplaneikirche, besetzt viele Jahre durch Mönche von St.Peter, bis 1835 Betberg, für alles Kirchliche zuständig. Danach kam es, gegen den Willen des damaligen Betberger Pfarrers Müller, zur Gemeinde Laufen.

- Seefelden hatte ursprünglich 2 Kapellen, die Mauritiuskapelle im Außer-Seefelden und die Laurentius-Kapelle im Inner-Seefelden. Nach dem 30-jährigen Krieg standen beide Kapellen als turm- und türenlose Ruinen ohne Dachstühle da. Baupflichtig für alle 3 Gebäude war St.Peter, da diese in Betberg und Seefelden den Zehnten zu erhalten hatte. Die Mauritius-Kapelle war 1836 wieder baufällig, so dass nach langjährigem Mahnen die heutige Seefelder Kirche in der Dorfmitte 1754 als Neubau fertig gestellt wurde. Diese wurde übrigens im vergangenen Jahr 250 Jahre alt und daran von der Kirchengemeinde in einem Gottesdienst entsprechend würdig gedacht.

Hierzu wieder das KB. Pfarrer Lindemann: 1745 1.10. Es stirbt ein knapp 8-jähriger Junge "Barthlin Grafriedt aus Britzingen." Er war bei Erbauung der Seefelder Kirche in eine Grube mit abgelöschtem Kalk gefallen.

Weitere bemerkenswerte Einzeleinträge im KB:

- * 24.1.1745, Heinrich, Mutter: Anna geb. Morder verw. Erb, Seefelden "wurde von einem ungarischen Husaren unter Zwang geschwängert.

- *11.2.1747, uneheliches Kind, Die Mutter ist Maria ... die unzüchtige Tochter des .... Hat als Vater angegeben ... von Niedereggenen gebürtig, welcher als Knecht bei ... gearbeitet und in diesem seinem Dienst dieses Unheil angerichtet hat.

- * 9.8.1794, Seefelden, unehel. Kind der Anna Barbara ...., Vater soll sein ein unbekannter kaiserlicher Soldat, der auf dem Weg nach Heitersheim die Mutter gewaltsam mißbraucht u. geschändet haben soll.

- + 1.4.1745, Ein Maximilian F. Alt: 2 Jahre 3 Mon. Dieses unglückselige Kind ist leider in einer Mistpfäter von seines eigenen Vaters Scheiße erstickt.

- + 16.9.1779, Friedrich M. 4 Monate alt wurde von der Wiegenschnur erdrosselt.

- Viele Sterbefälle: Jahr 1747: insgesamt 35 Personen,

Jahr 1779: ingsesamt 56 Personen,( vermutl. Ruhr).

Jahr 1808 viele Kinder an blauem Husten,

Jahr 1809 viele an Ruhr

- Da stirbt ein Totengräber, Sterbeintrag Text: "Er war ein ehrlicher u. brauchbarer Mann. Er begrub in 26 Jahren 133 große und 97 kleine Personen".

- 50-jährige Friedenszeit (auch mal etwas erfreulicheres)

- 1783 Abschaffung der Leibeigenschaft, Säkularisation.

- 1789 Französische Revolution schwappte auch in das Markgräflerland über...

- Kleine Herrschaften u. Klöster wurden aufgehoben. Ihr Besitz geht an den Staat über.

- zum Teil nach und nach an die Lehensinhaber !

- 1796 Schlacht bei Schliengen >- Seefelden muss für 18.000 Gulden aufkommen !

- 1800 Franzosen im Quartier

- 1803 Baden vergrößert sich

- 1805, 1812, Badener auch bei den Feldzügen Napoleons...

- 1831, Schulhaus erbaut, gegenüber dem Schwanen, Schule dann in Seefelden.

- 1848/49 Revolutionsjahre

- 1870/71 "Siebziger Krieg", 1871 wird der König v. Preußen zum deutschen Kaiser gekrönt.

- 1884 Seefelden erhält eine Ortsstraßenbeleuchtung mit 7 Öllampen.

- 1900 Seefelden erhält ein neues Rathaus.

OSB - OFB

Die Daten der genannten KB’s sind nun von 1663 bis 1905 in Karteiform angelegt. Diese Daten wurden laufend ergänzt durch berührende Daten aus Nachbargemeinden, besonders auch aus dem OSB Buggingen und Britzingen, von wo Zu- oder Wegzüge erfolgten. Weiter auch ergänzt aus vielen anderen Quellen, auch aus den Chroniken. Alle Daten wurden in ein entsprechendes EDV-Programm eingegeben und dann aus diesen gesammelten Daten das neue Ortssippenbuch oder Ortsfamilienbuch erstellt.

Auswertungen:

1. Größte Namensgruppen: (Seefelden, Betberg)

1. Erler = 242         2. Längin = 171         3. Fünfgeld = 151

4. Meyer = 144     5. Arnold = 68             6. Frey = 62

7. Müller = 55         8. Günthert = 54     9. Waldmann = 53

2. Weg- u. Zuwanderer:

Viele verwandtschaftliche Bindungen mit Einwohner von Buggingen u. anderen Orten;

von wo kamen die auswärtigen Personen? Wo gingen sie hin:

1. Buggingen = 179 2. Britzingen = 104 3. Sulzburg = 102

4. Laufen = 96 5. Müllheim = 81 6. Hügelheim = 79

7. Dattingen = 46 8. Freiburg = 38 9. Gallenweiler = 36

10. Auggen = 29 11. Basel = 29 12. CH-gesamt = 194

Namensschreibweisen ! einige beispielhaft: (auch unterschiedliche Schreibweisen können zusammen gehören)

AMANN – AMMANN, WEBER – BODENWEBER, BÜRGELIN – BÜRGI – BÜRGIN,

ERLER – EHRLER, GIES – GIEßIN – GISIN – GIß – GISS – GYS - GYSS,

GRETER – GRETHER, GÜNTERT – GÜNTHERT – GÜNTTERT,

GUTMANN – GUTTMANN, HAßLER – HASSLER,

CONRAD - KONRAD – KONRADT, KRAFT – KRAFFT,

LANDOLIN - LENDELIN – LENDIN.- .LENGIN - LÄNGIN, MAYER – MEIER – MEYER,

usw.

Am Ende ergab sich ein OSB bzw OFB Seefelden – Betberg – St.Ilgen in dem reichhaltige Information in vielfältiger Weise enthalten ist.

So möchte ich möchte ich auch noch hinzufügen, dass das Buch eine Zusammenfassung vieler fast unzähliger Familienschicksale beinhaltet.

 

Fehler?! Ein Menschenwerk ohne Fehler gibt es nicht. Deshalb die Bitte offensichtliche Fehler mir einfach melden, damit diese in einem späteren Auflage berücksichtigt werden können. Im Übrigen korrigieren Sie es einfach in Ihrem Buch, damit ist dies für Ihren Gebrauch in Ordung.

 

Besonderer Dank sagen möchte ich abschließend an:

- Herrn Pfarrer Hanspeter Wolfsberger, , stellvertretend auch für den früheren Pfarrer Traugott Fränkle, beide und der Kirchengemeinderat haben mir in vertrauensvoller Weise die Kirchenbücher zur Verfügung gestellt und auch dass wir heute Abend diesen schönen Raum benutzen können. Herzlichen Dank für alles.

- Herrn Bürgermeister Günter Hansen, dem ich ebenfalls besonders Danken möchte für die immer großzügige und unkomplizierte Unterstützung, angefangen von der Benutzung des gemeindlichen Kopiergerätes, Übernahme der Kosten für diesen Raum, die zur Verfügungsstellung dieser tollen Technik, bis zur Übernahme des Verkaufsrisikos und des Vertriebs der Bücher durch die Gemeindeverwaltung.

- den Herren Dr. Keller aus Arlesheim und Ekkhard Burde aus Weil a.Rh. vom Geschichtsverein Markgräflerland, beide waren langjährig immer wieder bereit mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen für Motivation, Information, die EDV, die erforderlichen Ausdrucke, sowie für Beratung, Ausstattung und den Druck der Bücher.

- nicht zuletzt lieben Dank meiner Frau und meiner ganzen Familie

und auch allen Anwesenden, die sich heute Abend die Zeit genommen haben um zu dieser Vorstellung zukommen und so interessiert zugehört haben. Allen wünsche ich recht viel Erfolg und Spaß beim Aufsuchen Ihrer Familien und Ahnen und auch noch einen guten Heimweg.

Zurück